Der 8. Mai 1945 – das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa – wurde in der Nachkriegszeit oft als sogenannte „Stunde Null“ bezeichnet. Gemeint war ein kompletter Neuanfang: ein politischer, moralischer und gesellschaftlicher Schnitt. Doch so einfach war es nicht.
Der Begriff verschleiert, dass viele Kontinuitäten blieben: alte Eliten blieben im Amt, Täter wurden selten zur Rechenschaft gezogen, antisemitische und rassistische Einstellungen wirkten fort. Auch viele der Strukturen, die den Nationalsozialismus getragen hatten, überlebten – in Behörden, Justiz, Gesellschaft.
80 Jahre später lohnt der Blick hinter diese Erzählung. Denn Erinnerung heißt nicht nur Gedenken – sondern auch kritisches Hinterfragen dessen, was wir über unsere Geschichte zu wissen glauben. |